Sonderformen des Hochschulstudiums
Der Unterschied von Lehrgängen, berufsbegleitenden und dualen Studiengängen und dem Fernstudium
Was sind Lehrgänge?
Diese Lehrgänge können von allen Hochschulen angeboten werden, also öffentlichen Universitäten, Fachhochschulen, Privathochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Sie können verschiedene Formate umfassen (Seminare, Kurse, Zertifikatslehrgänge bis hin zu Lehrgängen mit Bachelor- oder Masterabschluss), die sich in Inhalten, Zielgruppen, Dauer, Zulassungsvoraussetzungen und Abschlüssen unterscheiden. Für den Besuch dieser Lehrgänge ist ein Lehrgangsbeitrag zu entrichten.
Neue gesetzliche Rahmenbedingungen seit Oktober 2021
Mit 1. Oktober 2021 wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Lehrgänge, die mit einem akademischen Grad (außerordentliches Bachelor- oder Masterstudium) enden, angepasst. Die Zulassungsvoraussetzungen für ein Bachelorstudium sind die allgemeine Hochschulreife und eine mehrjährige einschlägige Berufserfahrung, für ein Masterstudium ein abgeschlossenes Bachelor- oder Diplomstudium und eine mehrjährige einschlägige Berufserfahrung. Die Zulassung mit einer einschlägigen beruflichen Qualifikation oder mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung ist nur mehr in gesetzlich festgelegten Ausnahmefällen möglich. Die Studiendauer wurde mit 180 ECTS-Anrechnungspunkten für Bachelorstudien und 120 ECTS für Masterstudien festgelegt.
Eigene akademische Grade für den Abschluss von Hochschullehrgängen
Die akademischen Grade wurden ebenfalls gesetzlich festgelegt: „Bachelor of Arts (Continuing Education)“, „Bachelor of Science (Continuing Education)“, „Bachelor Professional“, „Master of Arts (Continuing Education)“, „Master of Science (Continuing Education)“, „Master Professional”, „Master of Business Administration”, „Executive Master of Business Administration“ und „Master of Laws“.
Die erforderlichen Zulassungsvoraussetzungen sind unterschiedlich und werden von der jeweiligen Hochschule festgelegt. Diese können ein abgeschlossenes Erststudium sein, aber auch eine gleichzuhaltende Qualifikation wie ein Abschluss einer außerhochschulischen Bildungseinrichtung und/oder mehrjährige Berufserfahrung.
Die Abschlussbezeichnungen in diesen Master-Lehrgängen werden von der jeweiligen Hochschule festgelegt. Die modulare Gestaltung der Lehrgänge ermöglicht unterschiedliche Abschlüsse (Zertifikat, Akademische/r ….. mit einem die Inhalte des jeweiligen Lehrgangs charakterisierenden Zusatz, Mastergrade). Als akademische Grade sind MA – Master of Arts und MSc – Master of Science vorgesehen, aber auch LL.M – Master of Laws oder MBA – Master of Business Administration. Die Dauer der Lehrgänge ergibt sich aus der Anzahl der ECTS Punkte bzw. der Organisationsform wie etwa den Varianten Vollzeit oder berufsbegleitend.
Detaillierte Informationen zum Lehrgangsangebot, den Zulassungs- und Studienbedingungen, sowie den Teilnahmekosten finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Hochschulen meist unter den Rubriken Weiterbildung, Lehrgänge oder Postgraduale Studien.
Was sind berufsbegleitende und duale Studiengänge?
Berufsbegleitende Studienangebote sind so organisiert, dasss sie eine Berufstätigkeit neben dem Studium ermöglichen. Die Lehrveranstaltungen und Prüfungen finden entweder geblockt oder an Tagesrandzeiten bzw. Wochenenden statt. Dagegen ist die Berufstätigkeit bei dualen Studiengängen integraler Bestandteil des Studiums. Theorie und Praxisphasen können dabei in unterschiedlicher zeitlicher Abfolge wechseln, sind aber jedenfalls inhaltlich und strukturell miteinander verzahnt. Deshalb werden duale Studiengänge auch nur von Fachhochschulen angeboten, die sich dadurch auszeichnen, arbeitsmarktorientierte und berufspraktische Ausbildungen auf akademischem Niveau anzubieten.
Aktuelles Angebot an berufsbegleitenden und dualen FH-Studiengängen
Im Studienjahr 2024/25 bieten acht österreichische Fachhochschulen in insgesamt 19 FH-Studiengängen (14 Bachelor-, 5 Masterstudiengängen) duale Studienplätze an. Davon sind 14 Studiengänge zur Gänze dual, fünf Studiengänge bieten neben ihrem Vollzeitstudienangebot zusätzlich auch duale Studienplätze an. Seit dem Wintersemester 2023/24 bietet mit der FH Wien der Wirtschaftskammer Wien erstmals eine österreichische Fachhochschule duale Studienplätze in einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudiengang an („Tourismus-Management“).
Ab dem Wintersemester 2024/25 werden an der FH Technikum Wien zwei neue duale Studiengänge angeboten: der Bachelorstudiengang „Wasserstofftechnik“ und der Masterstudiengang „Klimabewusste Gebäudetechnik“. An der FH St. Pölten wird ab dem Wintersemester 2024/25 erstmals ein dualer Bachelorstudiengang im Bereich „Sozialpädagogik“ angeboten.
Eine Übersicht über das duale Studienangebot an österreichischen Fachhochschulen sowie nähere Informationen bietet die Website www.dualstudieren.at.
Erhalter |
Bezeichnung |
Standort |
Art |
FH Oberösterreich |
Hardware-Software Design |
Hagenberg |
Ba |
Automatisierungstechnik |
Wels |
Ba |
|
FHW der WKW | Tourismus-Management | Wien | Ba |
FH Vorarlberg |
Elektronik und Informationstechnologie Dual |
Dornbirn |
Ba |
Wirtschaftsingenieurwesen |
Dornbirn |
Ba |
|
FH Technikum Wien |
Informatik / Computer Science |
Wien |
Ba |
Wasserstofftechnik |
Wien | Ba | |
Klimabewusste Gebäudetechnik |
Wien | Ma | |
FH Joanneum |
Produktionstechnik und Organisation |
Graz |
Ba |
Engineering and Production Management |
Graz |
Ma |
|
Mobile Software Development |
Kapfenberg |
Ba |
|
Lebensmittel: Produkt- und Prozessentwicklung |
Graz |
Ma |
|
Industrielle Mechatronik |
Kapfenberg |
Ba |
|
FH St. Pölten |
Smart Engineering |
St. Pölten |
Ba |
Applied Research and Innovation in Computer Science |
St. Pölten |
Ma |
|
Cyber Security and Resilience |
St. Pölten |
Ma |
|
Sozialpädagogik |
St. Pölten | Ba | |
---|---|---|---|
FH Campus 02 |
Business Software Development |
Graz |
Ba |
MCI |
Smart Building Technologies |
Innsbruck |
Ba |
Kein reines Fernstudium an österreichischen Hochschulen
Der Begriff „Fernstudium“ beschreibt eine spezielle Organisationsform eines Studiums, das überwiegend orts- und zeitunabhängig gestaltbar ist. Die Lernziele sind – anders als im Präsenzstudium – überwiegend durch Selbststudium erreichbar. Damit ist eine höhere Flexibilität als bei anderen Studienformen verbunden.
Studienunterlagen werden per Post zugesandt oder aber auch digital zur Verfügung gestellt. Darüberhinausgehende Möglichkeiten einer virtuellen Hochschule (z.B. virtueller Austausch mit anderen Studenten und Lehrenden) können vorgesehen sein. Hochschuleinrichtungen weisen auf ihren Websites entsprechende Angebote aus. Für öffentliche Universitäten sieht der gesetzliche Rahmen des Universitätsgesetzes 2002 allerdings keine reinen Fernstudien vor: An ihnen sind Präsenzlehrveranstaltungen zentrales Organisationselement von Studien, jedoch können Lehrveranstaltungen unter Einbeziehung von Fernstudienelementen und digitalen Lernumgebungen (Blended-Learning-Formate, Lernplattformen, MOOCS, Lernvideos etc.) angeboten werden. Deshalb sind auch an der Universität für Weiterbildung Krems im Rahmen ihrer Weiterbildungslehrgänge sowohl Präsenz-, als auch reine virtuelle Lernphasen vorgesehen.
Auch an den Fachhochschulen wird kein reines Fernstudium angeboten. Auch an der Ferdinand Porsche FernFH wechseln sich Präsenz- und Online-Studienphasen entsprechend ab.